Kentenich-Pädagogik
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Bei der Kentenich-Pädagogik handelt es sich um eine von Josef Kentenich entwickelten erziehungswissenschaftlichen Denkweise, die besonders die persönliche Reifung zu freien, selbstbewussten, an Gott gebundene Persönlichkeiten im Blick hat und besonders in der von Kentenich gegründeten Schönstatt-Bewegung angewandt wird.
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Einleitung
Ganz entscheidend für ein gutes Wirken als Gruppenleiter ist es, das richtige pädagogische Rüstzeug zu besitzen. Dazu ist immer klar, dass eine bestimmte pädagogische Richtung in der christlichen Grundhaltung niemals als Methode gesehen werden kann, die dazu hilft erfolgreicher die Gruppe zu leiten, sondern die dazu helfen will, den jeweils anvertrauten jungen Menschen zu einem gelingenden Leben zu führen.
Deshalb ist die Grundhaltung der Liebe das Grundgerüst jeder christlichen Pädagogik, wie sie etwa der Hl.Franz von Sales verkündet, wenn er sagt: "Wahre Liebe braucht keine Methode!" Das Handeln aus Liebe ist deshalb das Leitbild der Kentenich-Pädagogik, die sich dann allerdings noch in origineller Weise entfaltet und in 5 Leitsternen zusammen fassen lässt.
Aber auch in dieser spezifischen pädagogischen Ausrichtung wird weniger ein System gelehrt als vielmehr eine Grundhaltung für den Erzieher vorgegeben. Es geht darum, den anvertrauten Menschen in Liebe zu begegnen und an deren Berufung zum "Großen" zu glauben. Als Gruppenleiter dürfen wir eine Etappe auf diesem Weg mitgehen und zur Verwirklichung dieses Lebenszieles beitragen.
Im Einzelnen sind die 5 Leitsterne der Kentenich-Pädagogik folgende:
Bindungspädagogik
Sie greift die psychologische Seite der Liebe auf. Sie macht ernst damit, dass sich unser Leben in einem Netz von Beziehungen zu Orten, Dingen, Personen und Ideen abspielt. Ziel ist es, dass im Leben der anvertrauten Menschen Bindungen entstehen, die einen immer wieder auffangen und Halt geben. In ihrer Gesamtheit bedeuten diese Bindungen "Heimat". Für den Gruppenleiter ist es wichtig, auf diese Sehnsucht nach Bindung einzugehen. Dies kann etwa darin geschehen, dass in einem Jugendraum die Möglichkeit geschaffen wird, dass eine Gruppe ihren Platz selbst gestaltet kann, mit eigenen Symbolen, Bildern, wtc. Bindungspädagogik wird dann auch für ein freies und zugleich tragfähiges Miteinander eintreten, bei dem in der Gruppe einer den anderen achtet und keine Abhängigkeiten untereinander in der Gruppe entstehen.
Bündnispädagogik
Diese Bindungspädagogik erschöpft sich jedoch nicht in der Bindung an Menschen und Orte, sondern bezieht sich auch auf die Übernatur, auf Gott. Erst dadurch wird sie vollständig. Denn erst in der Beziehung zu Gott entfaltet der Menschen seine volle Wirklichkeit. In der Schöpfung ist der Mensch bereits darauf angelegt, über sein eigenes Lebensumfeld hinauszufragen, nach dem, woher das Leben selbst kommt, was Sinn und Ziel des eigenen Lebens ist. In sich selbst sind Antworten auf diese Frage nicht erschöpfend zu finden. Der Mensch bleibt auf Gott, seinen Schöpfer, hin ausgerichtet. Eine echte und ehrliche Pädagogik erkennt dies. Deshalb war es P. Kentenich wichtig, diese Dimension des Menschen besonders anzusprechen. Der Bund Gottes, den er mit den Menschen schließt, ist die persönliche Antwort Gottes auf die Sehnsucht des Menschen nach der Beziehung zum Göttlichen. In besonderer Weise wird der Bund Gottes mit den Menschen an Maria, der Mutter Jesu, deutlich. In einzigartiger Weise steht sie, die Mutter Jesu, in Beziehung zu Gott. Deshalb findet die Bündnispädagogik im sogenannten Liebesbündnis ihren Ausdruck, das über die Verbindung zur Gottesmutter Maria den Weg öffnet zum dreifaltigen Gott.
Vertrauenspädagogik
Die Vertrauenspädagogik bedeutet mehr als das übliche "Vertrauen schenken". Der Gruppenleiter schenkt den Kindern nicht nur sein Herz, er nimmt auch das Herz der ihm anvertrauten Kinder an! Andere an sich heran lassen mit all ihren Bedürftigkeiten, das heißt immer auch: sich selbst aussetzen. Aber wirklich tragfähige Bindungen wachsen nun einmal nicht gesund, wenn sie nicht gesamtpersonal sein dürfen. Nur was ganz angenommen ist vom Gruppenleiter als dem Erzieher, kann auch ganz weitergeschenkt, nach oben weitergeführt werden. Der Gruppenleiter, der die Vertrauenspädagogik beherzigt, ist daher wie ein offener Raum, der Vertrauen weckt und hütet. Er schafft in seiner Umgebung auf vielfältige Weise ein Vertrauensklima, wozu er einen langen Atem benötigt. Misstrauen, Furcht und Angst sind der Feind, ja der Tod jeder Liebe. Mit der Erfahrung, sich selbst trauen und etwas zutrauen zu dürfen, beginnt und festigt sich jedes Gebundensein. Von daher wird erlebbar, wie sehr echte Bindung Freiheit voraussetzt und Freiheit gewinnen lässt.
Idealpädagogik
Die Idealpädagogik macht bewusst, wie sehr jeder Mensch in seiner Einmaligkeit von Gott gewollt und geliebt ist. Durch die Förderung dieses Bewusstseins können die dem Gruppenleiter anvertrauten Kinder und Jugendlichen sich in allen Lebensphasen immer besser selbst annehmen, finden und verwirklichen. Das schenkt innere Sicherheit, schafft Lebensfreude und weckt Einsatzbereitschaft. Es setzt Kräfte frei, die zuvor unerreichbar schienen. Denn wer erkannt hat, wofür er lebt und sich einsetzen will, der kann seinem Leben neue Kraftquellen erschließen! Gerade für Jugendliche ist es sehr wichtig, ihr "persönliches Ideal zu finden, das sie mit ihrem Leben zu verwirklichen suchen. Es ist so etwas wie der "rote Faden" für ihr Leben, das jedem seine Einzigartigkeit gibt und sich doch zugleich in eine Lebensgeschichte einfügt. Die Inspiration durch Vorbilder, der Austausch in der Gruppe und die Begleitung durch den Erzieher kann helfen, diesen "roten Faden" zu entdecken. Dadurch wird die eigenen Personenmitte bewusst erlebt und das Persönlichkeitsprofil des Einzelnen ausgeprägt. Biblisch betrachtet können wir hier von der individuellen "Berufung" sprechen, die Gott einem jeden geschenkt hat und die es zu entdecken und zu leben gilt. Aber auch Gruppen können ein solches gemeinsames Ideal für ihre Gruppe finden. Es ist Ausdruck für das gewachsene Miteinander in der Gruppe und kann zugleich neben der Vertiefung des Miteinanders auch ein belebendes Ziel für die Gruppe sein.
Bewegungspädagogik
Niemals sind wir in all diesen genannten Punkten abgeschlossen und kommen an ein Ende. Dem wird die Bewegungspädagogik gerecht. Sie geht davon aus, dass alles Leben Wachstumsgesetzen unterworfen ist. Die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen lässt sich niemals in ein Schema pressen. Das heißt: Der Gruppenleiter bedarf des Feingespürs der Liebe, um sich in den anderen einzufühlen, seine jeweilige äußere und innere Situation richtig einzuschätzen und daraus resultierend das Notwendige bzw. das Mögliche zu erkennen und anzubahnen. Das bedeutet, dazu bereit zu sein, auch längere Wege mitzugehen. Der andere soll kein Schnellprodukt unseres Wollens werden, sondern er selbst. Es ist immer danach zu fragen, was "den anderen bewegt". Daraus folgt, dass der Erzieher nicht außerhalb der Gruppe, sondern mittendrin stehen sollte.
Siehe auch
Weblinks
Literatur
- Literaturliste im Wikipedia-Artikel zum Thema
