Jugendfest 2010 als Zugang zu Gott

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Dieser Artikel zeigt ein Referat aus der 12. Klasse. Es wird die Frage behandelt, inwiefern das Jugendfest 2010 auf der Liebfrauenhöhe (beziehungsweise irgend ein anderes Schönstatt-Jugendfest) als Zugang zu Gott dienen kann. Die Arbeit wurde im Dezember 2009 (also noch vor dem eigentlichen Jugendfest) von Marcel Brenner verfasst und nun im Januar 2011, nachdem das besagte Jugendfest einen Säulenpreis erhielt, online gestellt. Alle Textteile, die nicht vom Verfasser stammen, wurden als Zitate markiert und sind in ihrem Original über das Literaturverzeichnis zu finden.

Inhaltsverzeichnis

Zugänge zu Gott

Die drei Psychologen E. H. Erikson, C. G. Jung und V. E. Frankl formulierten unabhängig von ihrem eigenen Glauben oder Nicht-Glauben drei Phänomene, die jeweils eine Grundvoraussetzung in der Psyche jedes Menschen sind. Folglich sind diese Phänomene auch Grundvoraussetzung, um einen Zugang zu Gott zu erreichen. Erkik H. Erikson beschreibt ein Phänomen, welches er Urvertrauen nennt. Er meint ein „Sich-verlassen-dürfen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Anderen“. So muss jeder Mensch vom Beginn seines Lebens an wissen können, dass er sich auf gewisse Menschen, die eben diese Glaubwürdigkeit haben, verlassen kann, ihnen vertrauen kann. Insbesondere sind hier natürlich die Eltern gemeint. Wenn ein Kind seinen Eltern kein Urvertrauen entgegenbringen kann (zum Beispiel weil sie sich nicht genügend um das Kind kümmern, ihm nicht genügend Liebe schenken), kann es laut Erikson „keinen positiven Bezug zu sich, zu den Menschen und zur Wirklichkeit insgesamt herstellen“. Somit kann erst recht kein Zugang zu Gott hergestellt werden. Wir brauchen also ein Urvertrauen auf Gott. Wir müssen von Anfang an wissen, dass wir Gott (blind) ver-trauen können, da ein solches Vertrauen laut Erikson eine „absolute Lebensvoraus-setzung“ ist. Und so kann es dann auch passieren, dass die Kinder von nicht religiösen Eltern, die darauf eventuell sogar noch stolz sind, trotzdem nicht ohne Religion existieren könnten, weil sie ein genügend starkes Urvertrauen auf Gott aufweisen, um einen guten Zugang zu ihm herzustellen. Carl Gustav Jung hat im menschlichen Verstand ebenfalls gewisse Grundvoraus-setzungen entdeckt. Er nennt diese wörtlich Ur-Bilder, man redet häufiger aber von den sogenannten Archetypen. Es gibt sie in jeder Kultur und jeder Religion. Solche Archetypen umfassen zum Beispiel Bilder für das gute und schlechte Gewissen (Engel und Teufel auf den Schultern) oder auch Paradies und Licht - Tod und Finsternis. Jung hat eine Hypothese bezüglich einer Verbindung zwischen diesen Ur-Bildern und der Religion aufgestellt. Er sagt, dass „in der menschlichen Seele ein höchster Archetypus als allgemeines Gottesbild wirkt“. In jeder Menschenseele gibt es also von Grund auf einen sehr dominanten Archetypus, der die Grundeigenschaften Gottes, wie zum Beispiel dass er irgendwo jenseits in einem „unzugänglichen Licht wohnt und ihn noch kein Mensch gesehen hat“ , in uns festmacht. Dieser Archetypus vom allgemeinen Gottesbild ist sogar so vorherrschend, dass Jung im Gegensatz zu Sigmund Freud feststellt, dass jeder seiner Patienten jenseits 35 nach langem Forschen daran erkrankte, dass er die Religion verloren hat und keiner, der seine religiöse Einstellung nicht wiederbekam, ward wirklich geheilt. Zuletzt beschreibt noch Viktor E. Frankl einen Ursprung in jedem Menschen. Ihm ist eine sehr starke Sinnorientierung eines jeden Menschen sehr wichtig. Frankl sieht einen „Willen zum Sinn“ während Freud nur von einer Triebsteuerung spricht. Frankl aber setzt dem entgegen, dass jeder Mensch, der sich allein von seinen Trieben steuern lässt, irgendwann in ein „existenzielles Vakuum“ fällt und sich in einem Zustand befindet, in dem er keinen Lebenssinn mehr sieht. Er würde gerne sehen, dass bei jeder Psychotherapie dieser „Wille zum Sinn (auch Sinnpostulat)“ vorausge-setzt wird, weil nur dann Hoffnung für die Menschheit besteht, dass die Menschen das Sinnlosigkeitsgefühl überwinden. Aus Sicht der Psychologie benötigen wir Menschen also jemandem, gegenüber dem wir ein Urvertrauen haben können. Dies kann ein Gott sein, weil in unserer Seele Archetypen, die auf eine Vorstellung von Gott hinweisen, vorhanden sind. Und dieser Gott bleibt oft in unseren Gedanken, weil er dem Leben immer einen Sinn gibt, nach welchem jeder Mensch strebt. Doch nicht nur die Psychologie, sondern auch die Naturwissenschaft gibt Möglichkeit, einen Zugang zu Gott zu bekommen. Albert Einstein „spürt eine Ordnung der Dinge in der Einfachheit der Naturgesetze“ , indem er sagt: „Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft“ . Einstein fällt auf, dass es in allen Dingen eine Ordnung gibt, wenn er die einfachsten Naturgesetze betrachtet. Diese Ordnung könnte ein Gott hergestellt haben und überschauen. Ebenso aber sieht er, dass irgendwo hinter dem für uns Menschen unfassbaren und niemals vollständig ergründbaren Weltall, eine Vernunft stehen muss, die uns grenzenlos überlegen ist. Als dieses kann meiner Meinung nach nur ein Gott gemeint sein, zu dem wir laut Einstein einen Zugang über die Einfachheit und die Unfassbarkeit der Natur bekommen können. Doch erst die Bibel und die Kirche beschreiben näher, welche konkreten Wege Gott uns bereitstellt, einen Zugang und eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Welche Wege dies sind und wie man den Zugang dann tatsächlich aufbaut, möchte ich in der folgenden Ausarbeitung vor allem anhand eines konkreten Beispiels aufzeigen.

Maria als Zugang zu Jesus

Viele Menschen, auch viele Christen, halten die Verehrung Marias für überflüssig. Sie sagen, warum solle man sich auch noch an Maria wenden, es sei ja schon schwer genug mit Jesus einen Zugang zu Gott zu bekommen, warum also unnötig noch mehr Personen ins Spiel bringen? Doch das ist eben der Trugschluss. Maria soll den Zugang zu Gott eben keinesfalls komplizierter machen, im Gegenteil: Sie eröffnet einen neuen Weg, der für viele Christen einfacher ist. Gott erscheint nämlich oft sehr fern. Er wird mit allmächtiger Vater angesprochen und sandte uns seinen Sohn. Nie wird die weibliche Seite Gottes erwähnt. Doch die Mutter ist die erste Ansprechpartnerin für jedes Kind. Sie kennt sich damit aus, wie wir so handeln können, dass es dem Vater gefällt. Joachim Kardinal Meisner sagt, dass man ja „in dunkeln Stunden auch manchmal an Gott irre werden könne und dass dann Maria als liebende Mutter da sei, die uns den Willen Gottes interpretieren kann. Sie ist in diesem Fall ein Vorbild für uns und „diejenige, die den Heiligen Geist in der Kirche präsent hält“ , und somit irgendwie auch die weibliche Seite Gottes. Doch man kann sich auch fragen: Warum ausgerechnet Maria? Die Antwort ist simpel: Nur Maria kann eben diese Mutterrolle verwirklichen, denn sie ist die Mutter Jesu, auserwählt von Gott. Maria und Jesus sind untrennbar in einer „Zweieinheit“. Und deshalb ist sie eine, die den Weg zu Jesus hin zeigen kann. P. Josef Kentenich „betont öfters, dass es in den Plänen Gottes kein Marienbild losgelöst von Christus und kein Christusbild losgelöst von Maria gibt. Von Anfang an gehören beide zusammen“ ,was er als „Zweieinheit“ bezeichnet. Sie gehören sogar bis zum Schluss zusammen, denn Maria steht unter dem Kreuz. Sie ist eine Mittlerin für uns zwischen Jesu Göttlichkeit und unserer Menschlichkeit. Wie es auch schon im Hymnus zu den Marienfesten aus dem Stundenbuch heißt: Du Pforte für den Königssohn, des neuen Lichtes helles Tor, in dir grüßt jauchzend alle Welt das Leben, das du ihr geschenkt. So verehren wir Jesus durch die Verehrung Marias und deren Anerkennung als „Pforte für den Königssohn“ und als die, die „das Leben geschenkt“. Und so gelangen wir durch Maria zu Jesus, weil die beiden untrennbar voneinander sind.

Gott in den Menschen

Wie schon der Apostel Paulus sagt „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?“ , wohnt Gott in uns. Genauer gesagt in unseren Herzen, wenn wir ihm das ermöglichen. Jesus spricht ganz deutlich: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen.“ .Wir müssen also besonders darauf achten, dass wir seine Stimme hören. Wir müssen offen sein und ihn in unser Leben integrieren wollen, dann wird er auch zu uns kommen, dann bekommen wir einen Zugang zu Jesus. Doch wie kann jemand, der Jesus nicht selbst hört, ihn in sein Herz aufnehmen und ihm eine Wohnung bereiten? Kentenich fordert diejenigen, die Gott schon in sich tragen im sogenannten „Herzensheiligtum“, auf „dafür zu sorgen, dass wir […] in einer sakralen Atmosphäre leben, die aus unserem Herzen hineinströmt in die profane […] Welt.“ Er sagt ebenso, damit die „große Idee, von Herzensheiligtum zu Herzens-heiligtum, als weitsichtiger und weitschichtiger Plan.“ verwirklicht werden kann, dass „am meisten heute diejenigen in der Welt wirken, die das göttliche Leben, dass sie in sich tragen, ausstrahlen.“ . Das soll heißen, dass die Menschen, die den Zugang noch suchen, das Göttliche im Menschen verkörpert sehen wollen. Somit müssen die, in denen der dreifaltige Gott wohnt, dies nach außen zeigen, damit auch andere, die dies sehen möchten, ihn in ihr Herz einlassen, also Gott die Tür öffnen. Dazu sind Christen immer aufgerufen und genau das ist die eigentliche Botschaft von Weihnachten, die leider viel zu oft vergessen wird. Weihnachten bedeutet bezüglich auf den Zugang zu Gott, dass jeder mitverantwortlich ist, dass andere einen Zugang zu Gott bekommen, denn vor 2000 Jahren kam er in die Welt als Mensch, doch auch heute noch sucht er Wege, um zu den Menschen zu gelangen und die Menschen suchen Wege, zu ihm zu gelangen. Der gute Christ beachtet hier die Nächstenliebe (denn Jesus sagt: „Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ ) und macht seinem Nächsten (womit nebenbei bemerkt auch Feinde gemeint sind) vor, wie es geht.

Jesus – der „highway to heaven“

Doch warum müssen wir überhaupt einen Zugang zu Jesus gewinnen? Wir wollen schließlich ergründen, wie wir zu Gott gelangen. Die Begründung ist wörtlich in der Bibel zu finden: „Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ und „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ . Jesus sagt also von sich, wie es auch schon prophezeit wurde, dass er als der Erlöser und Retter der Welt kommt und den Weg zwischen Gott und den Menschen bahnt und somit uns den Zugang zu Gott ermöglicht. „Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus.“ So ist also zu erklären, warum Jesus, der (einzige) „highway to heaven“ auf deutsch: die Schnellstraße zum Himmel, also zum Paradies ist.

Grundlegendes zum Jugendfest 2010

Anhand des Jugendfests, welches vom 22.-24. Mai 2010 auf der Liebfrauenhöhe bei Rottenburg-Ergenzingen stattfinden wird, möchte ich konkrete Beispiele liefern, wie sowohl religiös nicht ganz Überzeugte als auch langjährige Christen einen (teilweise neuartigen) Zugang zu Gott entdecken können. Das letzte Jugendfest dieser Art fand 2007 in München mit etwa 450 Teilnehmern statt. Das Letzte auf der Liebfrauenhöhe umfasste 1997 um die 1000 Teilnehmer. Und seit einiger Zeit schaukelte sich der Wunsch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wieder ein Jugendfest zu veranstalten so hoch, dass es nun feststeht. Die Trägerschaft liegt in den Händen der Schönstattjugend Schwaben. Die Schönstatt-Bewegung ist eine internationale Gliederung der katholischen Kirche. 1914 wurde sie in Schönstatt in Vallendar bei Koblenz von einem Pater (Josef Kentenich) und einer handvoll junger Internatsschüler mit der Vision, der Kirche ein neues Bild, mit Maria im Zentrum zu geben, gegründet. Dies geschah damals am 18. Oktober in einer kleinen Friedhofskapelle, von der es heute etwa 200 Kopien in der ganzen Welt gibt (eine davon auf der Liebfrauenhöhe), wo Kentenich und seine Schüler einen Bund mit der Gottesmutter Maria geschlossen haben. Maria war für Kentenich der Zugang zu Gott, weil seine Mutter zu ihm sagte, als sie ihn ins Waisenhaus brachte, weil sie ihn nicht mehr versorgen konnte: „Die himmlische Mutter Maria wird dich immer beschützen. Sie hat noch nie jemand im Stich gelassen, der von ihr Hilfe erfleht hat.“ Und auch das traf auf Kentenich zu. Diese neuartige Spiritualität hat er nun also mit seinen Schülern mit den Worten „Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien priesterlichen Charakteren.“ in die Welt getragen. Das Bild Schönstatts muss man immer wieder neu begreifen und dafür gibt es diverse Möglichkeiten wie zum Beispiel Jugendfeste. 2010 wird mit etwa 650 Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren gerechnet, welche ein Freizeitangebot mit Spaß, Gemeinschaft und Glauben erwartet. Dieses Angebot wird verpackt in das Motto „in DIR – grenzenlos“, welches das Kernteam bereits vor fast einem Jahr ausgesucht hat. Zu diesem Kernteam gehören 17 Jugendliche eine „Schönstatt-Marienschwester“ (Sr. M. Janika) und ein „Schönstatt-Pater“ (P. Helmut Müller). Sie vertreten zehn Subteams oder sind für die Leitung oder geistliche Begleitung verantwortlich.

Zusammenspiel von Motto und Logo

Das Motto enthält die Festigkeit und Freiheit durch den christlichen Glauben. Mit „in DIR“ ist eine Verankerung des Glaubens und der Liebe erstens in Gott, zweitens in jedem selbst und drittens in jedem anderen Menschen gemeint. Im Logo ist dies erstens dargestellt durch die Silhouette eines Menschen. Sie steht für das was in DIR steckt. Sie steht für jeden persönlich oder auch einen anderen Menschen, in dem Gott wohnen kann. Zweitens ist das in DIR durch eine Flamme dargestellt. Sie hat aber auch Ähnlichkeit mit der Silhouette des Schönstatt-Heiligtums, einer kleinen Kapelle, die auf der ganzen Welt gleich aussieht, wo man sich also gleich zuhause fühlt und die Gegenwart Gottes spürt. Diese Flamme oder dieses Heiligtum ist bei dem Menschen im Zentrum, als Herz. Denn genau da muss Gott wohnen. In meinem Heiligtum also in meinem Herzen muss es „brennen“, damit ich die Pfingstflamme nach außen strahlen lasse und andere durch mich einen Zugang zu Gott erlangen können und damit ich meinen persönlichen Zugang zu Gott festigen kann. Dieses Ausstrahlen ist dargestellt durch Striche, die von dieser Mitte aus nach außen gehen. Das Wort grenzenlos, beschreibt etwas, nachdem sich jeder Jugendliche sehnt: Freiheit ohne Grenzen. Denn wenn ich in Gott, in mir und in meinen Mitmenschen durch die Liebe und den Glauben verankert bin, erfahre ich grenzenlose Freude durch gegenseitige Liebe. Aber grenzenlos ist nicht immer etwas Gutes. Wir brauchen alle in unserem Alltag auch unsere Grenzen, weil wir Menschen nicht immer richtig entscheiden. Dann können wir durch das Kreuz, also durch Jesus Leiden und Auf-erstehen Wiedergutmachung erfahren, denn seine Liebe war und ist grenzenlos. Deshalb ist der zweite Teil des Mottos im Logo einerseits durch das Wort grenzenlos, welches etwas abseits geschrieben ist, damit es auf das hinausgehen und Rahmen und Grenzen sprengen hinweist, andererseits durch das Kreuz, welches hier nicht statisch sondern relativ dynamisch und nach außen, grenzenüberwindend gezeichnet wurde, dargestellt. „In [der] Farbkombination kommen sowohl Maria als auch das Pfingstfest klar zum Ausdruck. Die beruhigende bzw. neutrale Basis in Blau und Grau gibt dem roten Element, das für Feuer und Liebe steht eine starke Leuchtkraft. Mit dem Vertrauen auf Maria [Blau ist die Farbe Marias] […] können auch wir ein solches Feuer sein und mit der Kraft, die uns das Heiligtum gibt für andere brennen.“

Zugang zu Gott über Grenzenlosigkeit?

Wie man einen Zugang zu Gott über das Herzensheiligtum, das im Motto als „in DIR“ beschrieben wird, bekommen kann, wurde ja schon im Kapitel „Gott in den Menschen“ erläutert. Aber wie kann uns Grenzenlosigkeit einen Zugang zu Gott verschaffen. Löst uns so etwas nicht eher von Gott? Die Antwort ist natürlich nein. Denn die hier gemeinte Grenzenlosigkeit beschreibt nicht die Befreiung von Gesetzten, sondern die Befreiung von unnötigen Grenzen, die uns einengen, wie zum Beispiel die Menschlichkeit. Ja, wir können tatsächlich unsere Menschlichkeit, die Grund ist, warum wir Fehler machen, ein Stück weit loswerden, weil die Göttlichkeit, die Grund ist, warum Gott uns diese Fehler vergibt und warum diese dann ungeschehen sind, stärker ist. Dies zeigt vielen Menschen, die keinen richtigen Zugang zu Gott haben, ein völlig neues Bild von Gott, eines, das von grenzenloser Liebe umgeben ist. Und durch dieses neue Bild können sie sich dann auch einen neuen Zugang zu ihm verschaffen, weil sie weniger Hemmungen haben, sich mit ihm einzulassen, ihn also eher in sich aufnehmen. Und das ist wiederum ein konkretes Beispiel, wie ein Herz, das von Gott bewohnt ist, einem anderen Herzen, das noch nicht von Gott bewohnt war, gezeigt hat, wie er wirklich ist. Und so wurde auch das andere Herz letztendlich von Gott bewohnt, eine Grenze wurde überwunden und Kentenichs „weitsichtiger und weitschichtiger Plan, seine große Idee von Herzensheiligtum zu Herzensheiligtum!“ wurde realisiert, seine Vision hat sich erfüllt.

Der Zugang zu Gott in der Vorbereitungszeit

Vorbereitet wird das Jugendfest wie schon erwähnt vom Kernteam und zehn Sub-teams. Diese elf Teams treffen sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen und da sie zusammen viel für das Jugendfest und somit auch ein stückweit für sich (weil sie sich persönlich einbringen) erarbeiten, wachsen sie zu einem richtigen Team zusammen. Obwohl eigentlich alle Mitglieder entweder in der Schönstatt-Mannes-Jugend (SMJ) oder der Schönstatt-Mädchenjugend (MäJu) sind und somit schon einen Zugang zu Gott und ein Bild von ihm gefunden haben, tut sich einiges beim Glauben jedes einzelnen. Der Zugang zu Gott kann sich in der fast zwei Jahre langen Vorbereitungszeit stark verändern. Man kommt mit neuen Personen ins Gespräch, setzt sich mit neuen Themen auseinander, die jetzt für das Jugendfest wichtig sind, es für einen persönlich aber noch nicht waren und man lebt den ganzen Prozess mit Höhen und Tiefen mit und lernt so auch verschiedene Methoden mit Gottes Hilfe mit verschiedenen Situationen (wie zum Beispiel Höhen und Tiefen) umgehen zu können. P. Helmut Müller, der das Jugendfest 1993 in unserer Region begleitete, sagte über das damalige „Emmausteam“ das unserem Kernteam entspricht: „Es kam das zum Tragen, was Einzelne in ihren Herzen und in ihren Talenten mitgebracht haben. Vieles, was auch auf dem Fest hätte stattfinden oder eine Rolle spielen können, wurde ausgeklammert, wenn das keiner unter uns als Herzensanliegen hatte.“ Dies zeigt, dass sich auch damals jeder mit seinen persönlichen Dingen, die Gott ihm in sein Herz gelegt hat (Herzensheiligtum), eingebracht hat und deshalb wachsen bei einem solchen Vorgang alle auf persönlicher Ebene zusammen. So können sich auch Denkweisen wie „[…] „Sicherheitsdenken“ und „wir machen das schon“ zum Fragen nach dem, was Gott jetzt will […]“ , verändern. Man vertraute sich mehr der Führung Gottes an, was für manche eventuell etwas völlig neues war. Doch nicht nur für das Kernteam oder die Subteams sind solche Entwicklungen im persönlichen Zugang zu Gott relevant, auch die Zielgruppe, Jugendliche, die sich schon jetzt auf das Jugendfest freuen und sich schon jetzt das Pfingstwochenende freihalten, findet neue (gegebenenfalls nur andere) Zugänge zu Gott. Dass sich auch bei denen etwas tut, die nicht direkt mit der Vorbereitung auf das Jugendfest zu tun haben, sieht man bei einer „Apfelsammelaktion“ in der Erzdiözese Freiburg: Fünf badische Jugendliche haben Eigeninitiative ergriffen und im Namen des Jugendfest Äpfel gesammelt und mit dem Saft Geld für das Jugendfest verdient. Ohne dass irgendjemand von den Veranstaltern, den Schwaben, dies Vorgeschlagen hatte, lediglich aufgrund des Aufrufs an alle, das Jugendfest in aller Munde zu verbreiten, kamen die Besagten auf diese Idee. Einer schreibt dann an Sara Mohn aus dem Kernteam eine E-Mail, welche dann stolz auf der Homepage veröffentlicht wird: „Wir ham mit Judith, Sebastian, Leonid, Stephan und mir, Johannes, die Äpfel – Sammel - Aktion gestartet :) . Jetzt haben wir die Äpfel zur Safterei gebracht wir hoffen zudem, dass Marienfried uns auch einen Teil des Saftes abnimmt ;)” Diese Jugendlichen haben mit Sicherheit selbst über diese Aktion einen neuen Zugang zu Gott gefunden beziehungsweise den alten bestärkt, da sie dies nicht für sich, sondern für ihre Nächsten, uns Schwaben, gemacht haben. Und auch wir wurden in unserem Glauben bestärkt, denn wir haben uns alle sehr gefreut, dass es noch Menschen in der heutigen Zeit gibt, die christlich (also selbstlos und aus Nächstenliebe) handeln, und weil wir gesehen haben, dass sich die Jugendlichen schon auf das Jugendfest freuen, wo sie neue Zugänge zu Gott entdecken und alte Wege „restaurieren“ können.

Der Zugang zu Gott während des Jugendfests

Was erwartet die Jugendlichen konkret? Wieso kann man davon ausgehen, dass dieje-nigen Teilnehmer, die bisher noch keinen passenden Zugang zu Gott gefunden haben, während dem Jugendfest einen neuen finden können? Die Grundvoraussetzung hierfür ist (neben den im Kapitel „Zugänge zu Gott“ aufgeführten), dass man sich mit sich selber beschäftigen und einen Zugang zu Gott finden will, den dieser greift nicht in unseren freien Willen ein, sondern lässt uns in diesem Punkt unsere Grenzenlosigkeit. Was man zum Beispiel bei einem solchen Jugendfest erlernen kann ist nicht, wo man nachlesen kann, wie man einen Zugang zu Gott bekommt, sondern vielmehr, welche verschiedenen persönlichen Entwicklungsprozesse es gibt, die einen selbst zu Gott führen. Das ist es, was Kentenich auch schon in seiner „Vorgründungsurkunde“ am 27. Oktober 1912 gemeint hat mit „Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen […]“ . Selbsterziehung ist eine Vision Kentenichs, die aus seiner persönlichen Erfahrung heraus entstand und heute ein Teil des schönstättischen Leitbilds ist. Selbsterziehung heißt an seinen Fähigkeiten zu arbeiten, um als Persönlichkeit weiter zu kommen. Man lernt sich selbst kennen und entdeckt was in einem steckt. Man baut Stärken aus, lernt mit Grenzen umzugehen und trainiert seine Fähigkeiten. Die Erkenntnis, dass Gott einem all das mitgegeben hat und man selbst etwas daraus machen muss, schafft einen Zugang zu Gott, der ganz Kentenichs Vision entspricht. Das Jugendfest kann Motivation sein für die Jugendlichen, nach diesem eigenen Ich zu suchen, mit dem man dann die Selbsterziehung verwirklichen kann. Maria steht einem als Vorbild, Ratgeberin und Beschützerin zur Seite und vereinfacht diesen Weg, genauso wie auch Menschen, die man auf dem Jugendfest trifft und die auf der Bühne Zeugnis geben. Des weiteren kann man während des Jugendfest jung sein, mit anderen jungen Menschen, es gibt zum Beispiel sogar einen Rummel, bei dem man ganz Kind sein kann. Das ist auf jeden Fall eine biblische Sache. Und wenn man sich schon mal wie ein Kind verhält, während dieses Wochenendes, also Sorgen, die Verpflichtungen mit sich bringen, vergisst, ist es auch einfacher, Gott wie ein Kind zu vertrauen und somit wiederum einen einfachen Zugang zu ihm zu finden. Kentenich sagt „Eine tiefe Geborgenheit haben wir in dem Ausmaße, als wir das Vertrauen eines Kindes aufbringen“. Damit lehnt er sich an die Bibelstelle an, wo Jesus spricht „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ . Eigentlich ist es also ganz einfach einen Zugang zu Gott zu finden, weil man einfach nur Kind Gottes sein und ihm wie ein solches vertrauen muss (Urvertrauen). Doch eben das ist kein so einfacher Punkt in unserer von kommerziellen Pflichten bestim-mten heutigen Welt. Aber das Kindsein ist etwas schönes und deshalb ist es umso besser, dass man beim Jugendfest 2010 weltliche Verpflichtungen vergessen darf, um seinen Zugang zu Gott zu verbessern. Das sind nur Beispiele, wie die Geschehnisse während des Jugendfest den Zugang zu Gott beeinflussen können. Noch mehr Erfahrungen lässt man sich besser nicht nur erzählen, sondern erlebt sie einfach selbst.


Was bleibt nach dem Jugendfest?

Da das Jugendfest 2010 noch nicht stattfand, muss diese Frage mit der Beleuchtung eines vergangenen Jugendfest, nämlich dem 1993 bei Offenburg, beantwortet werden. Abgesehen von den weiteren Jugendfesten, die begeisterte Jugendliche später selbst veranstalten werden, wenn es ihnen gefallen hat und sie selber Verantwortung tragen wollen von anderen bleibenden Veränderungen, gab es auch weitere „Nebeneffekte“. Obwohl Müller dies nicht erwähnt, entstehen oft neue Freundschaften durch das Kernteam oder die Subteams, da man neue Leute kennen gelernt hat, die man auch später gerne immer wieder trifft, und sind auch sicherlich 1993 entstanden. Doch beinahe noch wichtiger sind bleibende Effekte, wie Prozesse, die zur Vertiefung und Verlebendigung des Glaubens, beitragen. Und genau das ist es ja, was man auch mit einem Jugendfest erreichen will. Wenn die Jugendlichen ihren Glauben und ihren Zugang zu Gott tiefer und lebendiger machen konnten, können sie nun als richtige Christen weiter gehen und die Welt evangelisieren (wichtige Aufgabe jedes Christen) indem sie zum Beispiel ihr Herzensheiligtum nach außen strahlen lassen und somit Grenzen, die Atheismus/Gottlosigkeit und Egoismus schaffen können, überwinden oder sogar sprengen! Und weil die neu gemachten Zugänge und Erfahrungen aus dem Jugendfest heraus auch auf die Leute wirken, die regional für die Jugendarbeit zuständig sind, wird auch diese oft lebendiger, was zur Folge hat, dass alle Altersgruppen (auch die „Zeltlagerteilnehmer-Generation“, die zu jung fürs Jugendfest ist) von den Erlebnissen beim Jugendfest profitieren und selbst einen besseren Zugang zu Gott finden und weitergeben können und werden.

Zusammenfassendes

Zusammenfassend lässt sich nun also sagen, dass man zwar grundlegende, teilweise lebenswichtige, Fähigkeiten, wie Urvertrauen, Archetypen und Sinnpostulat braucht, um einen Zugang zu Gott überhaupt ergründen zu können. Genauso braucht man laut Einstein den Blick für Feinheiten und Unfassbarkeiten in der Natur, um überhaupt den Willen, einen Zugang zu Gott aufzubauen, zu bekommen. Doch wie gesagt: Das sind lediglich Grundvoraussetzungen, die eigentlich sowieso jeder Mensch hat! Wichtiger ist, was man aus diesen Voraussetzungen macht. Der erste Schritt ist zu erkennen, dass Gott uns diese Voraussetzungen geschenkt hat und wir uns mit diesen selbst erziehen müssen. Das führt uns zu Gott hin, öffnet uns also einen Zugang. Gleichzeitig muss man aber den Zugang zu Gott aufrecherhalten, da dieser sich auch wieder ver-schließen kann, wenn man die Beziehung vernachlässigt. Dabei ist es von Nutzen, sich mit anderen Christen auszutauschen. Dafür ist ein Jugendfest eine der idealsten Möglichkeiten. Doch was man, nachdem man letzten Endes einen Zugang zu Gott erreicht hat, keinesfalls vergessen sollte ist, dass man diesen Zugang zu Gott über das Aufnehmen Gottes in sein eigenes Leben (Aufnahme ins Herz, Herzensheiligtum) auch für andere sichtbar macht und Gott aus seinem Herzen heraus nach außen strahlen lässt. So kann der Zugang zu Gott auch für andere ermöglicht, der christliche Glaube also verbreitet werden und die Vision der Kirche und somit auch von einem Jugendfest ist erfüllt, weil Evangelisation stattgefunden hat und Zugänge zu Gott erreicht wurden.


Literaturverzeichnis

Bücher
  • Hergenröder, G. et al: P. Joseph Kentenich – Schönstatt: Ein Ort, Ein Weg, Eine Bewegung. 1. Aufl. 1991. Vallendar-Schönstatt
  • Kaiser, J.: Abitur-Training Religion, Katholische Religion 1 – gk. 1. Aufl., Freising 1997
  • Kentenich, J.: Mein Herz – Dein Heiligtum. 5. Aufl. Vallendar-Schönstatt 1996
  • Marten, J.: Die Fürstin und der Kardinal – ein Gespräch über Glauben und Tradition. 1. Aufl., Freiburg i. Br. 2008
  • Weiß, L.: Gottesglaube – Atheismus. 1. Aufl., Freiburg i. Br. 1986
  • Wolf, P.: Christsein mit Maria. 1. Aufl., Vallendar-Schönstatt 2002
Aufsätze und Artikel
  • Kentenich, J.: Vorgründungsurkunde. 1912, S. 9-20
  • Müller, H.: Jugendfest Brannte uns nicht das Herz, 5.6 Ein Jugendfest als exemplarisches Beispiel für Evangelisierungsströmungen. S. 69-77
  • Schick, M. und Friedel, P.: Logofindung. 2009, S. 1
  • Turinsky, M.: Erklär mir Schönstatt, Band 1, Erklär mir Selbsterziehung. 2007 [www.erklaermirschoenstatt.de]
Internetquellen
  • Grimm, M. (Leiterin des Subteams „Litrugie“): Das Logo des Jugendfests 2010 auf der Liebfrauenhöhe. [1] (zuletzt zugegriffen am 6.12.09). Erlenmoos 2009
  • Mohn (Leiterin des Subteams „Unterkunfts- und Helferkoordination“): 17. Oktober 2009: Sponsoren der etwas anderen Art (Klappe die 2.). [2] (zuletzt zugegriffen am 6.12.09). Freiburg i. Br. 2009

Weblinks

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