Gott
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Als Gott wird ein erfahrbares, transzendentes Wesen bezeichnet, das als Ursprung allen Seins gesehen wird. In den Religionen gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie dieses Wesen zu denken ist. Im Christentum glaubt man an einen dreieinigen Gott, der als Einheit aus den drei Hypostasen (Seinsstufen) Vater, Sohn und Heiliger Geist besteht.
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Zugänge zu Gott
Grundlegendes
Die drei Psychologen E. H. Erikson, C. G. Jung und V. E. Frankl formulierten unabhängig von ihrem eigenen Glauben oder Nicht-Glauben drei Phänomene, die jeweils eine Grundvoraussetzung in der Psyche jedes Menschen sind. Folglich sind diese Phänomene auch Grundvoraussetzung, um einen Zugang zu Gott zu erreichen.
Erkik H. Erikson beschreibt ein Phänomen, welches er Urvertrauen nennt. Er meint ein „Sich-verlassen-dürfen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Anderen“. So muss jeder Mensch vom Beginn seines Lebens an wissen können, dass er sich auf gewisse Menschen, die eben diese Glaubwürdigkeit haben, verlassen kann, ihnen vertrauen kann. Insbesondere sind hier natürlich die Eltern gemeint. Wenn ein Kind seinen Eltern kein Urvertrauen entgegenbringen kann (zum Beispiel weil sie sich nicht genügend um das Kind kümmern, ihm nicht genügend Liebe schenken), kann es laut Erikson „keinen positiven Bezug zu sich, zu den Menschen und zur Wirklichkeit insgesamt herstellen“. Somit kann erst recht kein Zugang zu Gott hergestellt werden. Wir brauchen also ein Urvertrauen auf Gott. Wir müssen von Anfang an wissen, dass wir Gott (blind) ver-trauen können, da ein solches Vertrauen laut Erikson eine „absolute Lebensvoraussetzung“ ist. Und so kann es dann auch passieren, dass die Kinder von nicht religiösen Eltern, die darauf eventuell sogar noch stolz sind, trotzdem nicht ohne Religion existieren könnten, weil sie ein genügend starkes Urvertrauen auf Gott aufweisen, um einen guten Zugang zu ihm herzustellen.
Carl Gustav Jung hat im menschlichen Verstand ebenfalls gewisse Grundvoraussetzungen entdeckt. Er nennt diese wörtlich Ur-Bilder, man redet häufiger aber von den sogenannten Archetypen. Es gibt sie in jeder Kultur und jeder Religion. Solche Archetypen umfassen zum Beispiel Bilder für das gute und schlechte Gewissen (Engel und Teufel auf den Schultern) oder auch Paradies und Licht - Tod und Finsternis. Jung hat eine Hypothese bezüglich einer Verbindung zwischen diesen Ur-Bildern und der Religion aufgestellt. Er sagt, dass „in der menschlichen Seele ein höchster Archetypus als allgemeines Gottesbild wirkt“. In jeder Menschenseele gibt es also von Grund auf einen sehr dominanten Archetypus, der die Grundeigenschaften Gottes, wie zum Beispiel dass er irgendwo jenseits in einem „unzugänglichen Licht wohnt und ihn noch kein Mensch gesehen hat“, in uns festmacht. Dieser Archetypus vom allgemeinen Gottesbild ist sogar so vorherrschend, dass Jung im Gegensatz zu Sigmund Freud feststellt, dass jeder seiner Patienten jenseits 35 nach langem Forschen daran erkrankte, dass er die Religion verloren hat und keiner, der seine religiöse Einstellung nicht wieder bekam, ward wirklich geheilt.
Zuletzt beschreibt noch Viktor E. Frankl einen Ursprung in jedem Menschen. Ihm ist eine sehr starke Sinnorientierung eines jeden Menschen sehr wichtig. Frankl sieht einen „Willen zum Sinn“ während Freud nur von einer Triebsteuerung spricht. Frankl aber setzt dem entgegen, dass jeder Mensch, der sich allein von seinen Trieben steuern lässt, irgendwann in ein „existenzielles Vakuum“ fällt und sich in einem Zustand befindet, in dem er keinen Lebenssinn mehr sieht. Er würde gerne sehen, dass bei jeder Psychotherapie dieser „Wille zum Sinn (auch Sinnpostulat)“ vorausgesetzt wird, weil nur dann Hoffnung für die Menschheit besteht, dass die Menschen das Sinnlosigkeitsgefühl überwinden. Aus Sicht der Psychologie benötigen wir Menschen also jemandem, gegenüber dem wir ein Urvertrauen haben können. Dies kann ein Gott sein, weil in unserer Seele Archetypen, die auf eine Vorstellung von Gott hinweisen, vorhanden sind. Und dieser Gott bleibt oft in unseren Gedanken, weil er dem Leben immer einen Sinn gibt, nach welchem jeder Mensch strebt.
Jesus
Jesus sagt in den Evangelien von sich, wie es auch schon prophezeit wurde, dass er als der Erlöser und Retter der Welt kommt und den Weg zwischen Gott und den Menschen bahnt und somit uns den Zugang zu Gott ermöglicht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,16) und „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9).
Maria
Maria eröffnet einen neuen Weg, der für viele Christen einfacher ist. Gott erscheint nämlich oft sehr fern. Er wird mit allmächtiger Vater angesprochen und sandte uns seinen Sohn. Nie wird die weibliche Seite Gottes erwähnt. Doch die Mutter ist die erste Ansprechpartnerin für jedes Kind. Sie kennt sich damit aus, wie wir so handeln können, dass es dem Vater gefällt. Joachim Kardinal Meisner sagt, dass man ja „in dunkeln Stunden auch manchmal an Gott irre werden könne und dass dann Maria als liebende Mutter da sei, die uns den Willen Gottes interpretieren kann.1 Sie ist in diesem Fall ein Vorbild für uns und „diejenige, die den Heiligen Geist in der Kirche präsend hält“, und somit irgendwie auch die weibliche Seite Gottes. Doch man kann sich auch fragen: Warum ausgerechnet Maria? Die Antwort ist simpel: Nur Maria kann eben diese Mutterrolle verwirklichen, denn sie ist die Mutter Jesu, auserwählt von Gott. Maria und Jesus sind untrennbar in einer „Zweieinheit“. Und deshalb ist sie eine, die den Weg zu Jesus hin zeigen kann. [[[Josef Kentenich]] betont öfters, „dass es in den Plänen Gottes kein Marienbild losgelöst von Christus und kein Christusbild losgelöst von Maria gibt. Von Anfang an gehören beide zusammen“,was er als „Zweieinheit“ bezeichnet. Sie gehören sogar bis zum Schluss zusammen, denn Maria steht unter dem Kreuz. Sie ist eine Mittlerin für uns zwischen Jesu Göttlichkeit und unserer Menschlichkeit. Wie es auch schon im Hymnus zu den Marienfesten aus dem Stundenbuch heißt:
Du Pforte für den Königssohn, des neuen Lichtes helles Tor, in dir grüßt jauchzend alle Welt das Leben, das du ihr geschenkt.
So verehren wir Jesus durch die Verehrung Marias und deren Anerkennung als „Pforte für den Königssohn“ und als die, die „das Leben geschenkt“. Und so gelangen wir durch Maria zu Jesus, weil die beiden untrennbar voneinander sind.
Gott in den Menschen
Wie schon der Apostel Paulus sagt „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?“(1Kor 3,16), wohnt Gott in uns. Genauer gesagt in unseren Herzen, wenn wir ihm das ermöglichen. Jesus spricht ganz deutlich: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen.“(Off 3,20).Wir müssen also besonders darauf achten, dass wir seine Stimme hören. Wir müssen offen sein und ihn in unser Leben integrieren wollen, dann wird er auch zu uns kommen, dann bekommen wir einen Zugang zu Jesus. Doch wie kann jemand, der Jesus nicht selbst hört, ihn in sein Herz aufnehmen und ihm eine Wohnung bereiten? Kentenich fordert diejenigen, die Gott schon in sich tragen im sogenannten „Herzensheiligtum“, auf „dafür zu sorgen, dass wir [...] in einer sakralen Atmosphäre leben, die aus unserem Herzen hineinströmt in die profane [...] Welt.“ Er sagt ebenso, damit die „große Idee, von Herzensheiligtum zu Herzensheiligtum, als weitsichtiger und weitschichtiger Plan.“ verwirklicht werden kann, dass „am meisten heute diejenigen in der Welt wirken, die das göttliche Leben, dass sie in sich tragen, ausstrahlen.“. Das soll heißen, dass die Menschen, die den Zugang noch suchen, das Göttliche im Menschen verkörpert sehen wollen. Somit müssen die, in denen der dreifaltige Gott wohnt, dies nach außen zeigen, damit auch andere, die dies sehen möchten, ihn in ihr Herz einlassen, also Gott die Tür öffnen. Dazu sind Christen immer aufgerufen und genau das ist die eigentliche Botschaft von Weihnachten. Weihnachten bedeutet bezüglich auf den Zugang zu Gott, dass jeder mitverantwortlich ist, dass andere einen Zugang zu Gott bekommen, denn vor 2000 Jahren kam er in die Welt als Mensch, doch auch heute noch sucht er Wege, um zu den Menschen zu gelangen und die Menschen suchen Wege, zu ihm zu gelangen. Der gute Christ beachtet hier die Nächstenliebe (denn Jesus sagt: „Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“(Mk 12,31)) und macht seinem Nächsten vor, wie es geht.
Feinabstimmung der Naturkonstanten
Albert Einstein „spürt eine Ordnung der Dinge in der Einfachheit der Naturgesetze“, indem er sagt: „Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft“. Einstein fällt auf, dass es in allen Dingen eine Ordnung zu liegen scheint, wenn er die einfachsten Naturgesetze betrachtet. Diese Ordnung könnte ein Gott hergestellt haben und überschauen. Ebenso aber sieht er, dass irgendwo hinter dem für uns Menschen unfassbaren und niemals vollständig ergründbaren Weltall, eine Vernunft stehen muss, die uns grenzenlos überlegen ist. Als dieses kann ein Gott gemeint sein, zu dem wir laut Einstein einen Zugang über die Einfachheit und die Unfassbarkeit der Natur bekommen können. Ob so etwas wie eine Feinabstimmung der Naturgesetze wirklich existiert wird jedoch auch kritisch diskutiert.
Andere Gottesvorstellungen
Literatur
- Peter Fischer: Philosophie der Religion. Utb Verlag, ISBN 9783825228873
- John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus: Argumente für und gegen die Existenz Gottes. Reclam, ISBN 978-3150080757
