Gesprächsführung

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Der Begriff Gesprächsführung wird in der Sozialen Arbeit für die Art verwendet, wie ein Gespräch geführt wird. Diese Art des Gesprächs ist von "alltäglichen" Gesprächen klar zu trennen. Hierbei geht es um ein Gespräch zwischen "Gesprächsleiter" und "Gesprächsuchenden". Sie ist darauf ausgelegt, dem Gegenüber (also dem Gesprächsuchenden) Lösungswege aufzuzeigen, ohne selbst die Wege vorzugeben. Wichtigste Verhaltensregel in der Gesprächsführung ist das sogenannte Aktive Zuhören.

Inhaltsverzeichnis

Aktives Zuhören

Beim Zuhören gibt es drei Merkmale, welche zeigen, ob der Gegenüber aktiv zuhört.

  1. Mimische Aufmerksamkeit / Antwort
  2. Paraphrasieren
  3. Nachfragen
  1. Mimische Aufmerksamkeit:
    Die Mimische Aufmerksamkeit äußert sich durch die Mimik und Gestik des Gegenüber. Es kann durch ein Nicken oder einzelne Worte, wie z.B. "Aha", "Ja", "So, so" usw., geschehen. So kann auch eine Antwort nur durch Mimik gegeben werden. Für eine Zustimmung kann es ein Nicken sein.
    Ebenso äußert sich die Mimische Aufmerksamkeit durch das Mitlachen oder Lächeln.
    Es ist darauf zu achten, eine Art der Antwort nicht ständig zu wiederholen. Ein monotones "Aha --- Aha --- Aha" wirkt lächerlich.
  2. Paraphrasieren:
    Paraphrasieren bedeutet, dass der Gegenüber wichtige einzelne Satzteile oder Worte wiederholt. Er hebt hiermit das wichtigste hervor und bündelt es in prägnante Sätze. Es werden hier auch Gefühle hervorgehoben und benannt. Zum Beispiel: "Sie sagten gerade, dass ..."; "Ich merke, Sie fühlen sich ..."
    Das Ziel des Paraphrasieren ist, dass sich der "Sprecher" verstanden fühlt.
  3. Nachfragen:
    Zum Aktiven Zuhören gehört auch, dass bei nicht verstandenen Zusammenhängen, oder übrigen Verständnisproblemen, nachgefragt wird.

Weiterhin sollten auch beim Aktiven Zuhören die allgemein gültigen Regeln eingehalten werden. die ähnlich den Gruppenregeln (z.B. ausreden lassen, usw.) sind.

Gruppenregeln

Um in einer Gruppe ein Gespräch oder eine Diskussion zu führen benötigt man gewisse Grundregeln:

  • Zuhören und Ausreden lassen
  • Spezifisch sein: ich-bezogen, (ich statt man; genau benennen!)
  • Nebengespräche vermeiden
  • Störungen haben Vorrang (sich selbst ernst nehmen)
  • Gefühle benennen
  •  !Vertraulichkeit!

Wenn diese Regeln eingehalten werden und ein gegenseitiges Aktives Zuhören praktiziert wird, sind der Gestaltung einer Diskussion oder das Erarbeiten einer Aufgabe weniger Grenzen gesetzt und vereinfachen die Kommunikation.

Grundregeln der Gesprächsführung

Für die Gesprächsführung gibt es einige Grundregeln, die eine Arbeit mit dem Gegenüber erleichtern. Diese Grundregeln sollen dem Gegenüber eine (ehrliche) Akzeptanz vermitteln und ihn zu eigenen Lösungen führen.

  1. Vorbereitung
    1. Geht mich das Thema etwas an?
    2. Bin ich ein geeigneter Gesprächspartner?
    3. Meine Einstellung zum Anderen?
    4. Mein Ziel? (realistisches Ziel?)
    5. Meine Stärken und Schwächen?
  2. Respekt
    Jeder Mensch hat einen konstruktiven Kern und gute Ressourcen. Das Gefühl geachtet zu werden, führt zu einem Klima, in dem konstruktive Lösungen gedeihen können.
  3. Kontakt herstellen
    Sich in Mimik, Gestik, Körperhaltung, Redensweise und Tonfall auf die anderen Personen einstellen.
  4. Erwartungen klären
    1. Worum geht's?
    2. Was wollen wir erreichen?
  5. Informationen zum Thema einholen
    1. Zeit nehmen für Problem
    2. Informationsflut stoppen, strukturieren und auswählen lassen
    3. Öffnende Frage stellen, statt Alternativen vorzeigen
    4. Nicht werten!
  6. "Hier und Jetzt!"
    zu vermeiden sind:
    1. in negativen Gefühlen versichern, durch sich ständig wiederholendes Erörtern früherer Erlebnisse
    2. rechthaberisch "olle Kamellen" durchkauen.
      Was bedeutet das alles heute für dich und was willst du künftig anders machen?
  7. "Ich" statt "man" und "wir"
    Vertritt dich selbst in deinen Aussagen!
  8. Paraphrasieren (wiederholen) wichtiger Inhalte
    zusammenfassen und wiederholen (lassen),
    "Jemand hört mir zu"
    1. befriedigt das existenzielle Grundbedürfnis nach Akzeptanz
    2. dient der Vorbeugung von Missverständnissen
  9. Körperausdruck und Gefühlsinhalte beachten
    "Ich bin pleite. Ich weiß nicht, wie es nun weitergehen soll..." und lächelt
    "Es geht mir gut!" und hat ein todtrauriges Gesicht
    => ggf. ansprechen
  10. Interpretationen deutlich machen
    - sparsam anwenden
    - kennzeichnen
    - anbieten
    => Interpretationen sind stets Grenzüberschreitungen
  11. Authentisch und selektiv reden
    - keine schonungslose Offenheit praktizieren
    - Was kann ich dem anderen zumuten?
    - Was wurde vereinbart?
    - "Echt" bleiben
    => Ich muss nicht alles sagen, was wahr ist, aber alles was ich sage, muss wahr sein!
  12. 50% Regel
    um wessen Problem geht es eigentlich?
    => mindestens 50% der Energie der Problemlösung müssen beim Gesprächspartner liegen.
  13. Bilanz ziehen
    - Was haben wir geklärt?
    - Was ist offen geblieben?
    - Welche Fragen sind neu entstanden?
    - Welche nächsten Schritte stehen an?
    - Feedback

Literatur

  • Friedmann Schulz von Thun: Miteinander reden Bände 1-3, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1989
  • Manfred Gürs, Claus Nowak: Das konstruktive Gespräch, Limmer Verlag, Neumünster 1991
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