Attribution

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Die Attributionstheorie(n) ist ein der Psychologie entnommenes Konzept, dessen Kenntnis auch in der Pädagogik der Jugendarbeit eine große Hilfe ist. Attribution bedeutet in etwa so viel wie Zuschreibung.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Der Mensch schreibt von ihm erlebte Handlungen, Vorgängen und Situationen ständig Ursachen und Wirkungen zu. Diese Attributionen beeinflussen in der Folge die Wahrnehmung und das Verhalten der Person.

Beispiel: Einem Gruppenkind fällt beim Frühstück das Marmeladeglas hinunter. Der Gruppenleiter beobachtet dies. Er kann nun beispielsweise attribuieren, dass das Gruppenkind das Glas absichtlich herunter geworfen hat, oder dass es lediglich ein Versehen war. Je nach Attribution wird der Gruppenleiter völlig unterschiedlich reagieren.

Attributionen sind grundsätzlich nichts Schlechtes, denn durch sie kann der Mensch die Unsicherheit der Umwelt reduzieren und somit sein Sicherheitsbedürfnis bedienen. Attributionen erfolgen ständig. Sie finden in der Regel unbewusst statt. Wichtig ist, dass Attributionen ganz unterschiedlich verlaufen können. Der Gruppenleiter nimmt beispielsweise die gleiche Situation ganz anders wahr als das Gruppenkind.

Wie funktioniert Attribution?

Attributionsschema
Attributionsschema

Der Mensch versucht für jedes Ereignis nun Gründe und Erklärungen zuordnen. Diese Ursachen lassen sich folgendermaßen unterteilen:

  • Lokation: Mache ich internale Ursache, also Ursachen, die in der Person selbst zu suchen sind dafür verantwortlich? Oder mache ich externale Ursachen, also Ursachen, die ich nicht beeinflussen kann dafür verantwortlich?
In unser Beispiel mit dem heruntergefallenen Marmeladeglas übertragen entspricht dies: Glaube ich, dass das Gruppenkind die Schuld trägt (internal), oder gab es Umstände, die dazu geführt haben (external)?
  • Stabilität:Glaube ich, dass diese Ursache stabil (gleichbleibend) ist oder sehe ich sie variabel (unstetig) an?
Geht das Gruppenkind öfters mit Dingen unachtsam um (stabil) oder ist es im generellen sorgfältig und es handelte sich nur um ein Ausrutscher (variabel)?

Wir stellen erneut fest, wie ungeheuer wichtig die Attribution für die Reaktion auf Ereignisse fest. Je nachdem wie wir attribuieren nehmen wir eine Situation völlig anders wahr und ziehen unterschiedliche Schlüsse daraus.

Für unser Gruppenkind wird dies dadurch spürbar, ob der Gruppenleiter die Situation beispielsweise einfach ignoriert, eine Verwarnung ausspricht oder sogar eine Strafe verhängt.

Praktische Bedeutung

Die Art, wie wir attribuieren beeinflusst also unser Handeln ungemein. Deshalb ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass die Attributionen nicht unbedingt der Realität entsprechen müssen, sondern auch fehlerhaft sein können:

  • Der fundamentale Attributionsirrtum
Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Beobachter einer Szene tendenziell den Handelnden für die Ursache eines Ereignisses sehen, während der Handelnde für das gleiche Ereignis vornehmlich äußere Umstände verantwortlich sieht. Auf Grund der unterschiedlichen Attribution sind also Konflikte fast schon vorprogrammiert - Vorsicht ist also geboten.
  • Selbstwertdienliche Tendenzen
Eigene Erfolge werden eher internal und stabil, eigene Misserfolge werden eher external und instabil attribuiert. Bei Erfolgen/Misserfolgen von Anderen verhält sich dies tendenziell genau umgekehrt.
  • Sympathie
Das Handeln von Menschen, die uns sympathisch sind, attribuieren wir (automatisch und meist unbewusst) günstiger. Erfolge werden eher internal und stabil zugeschrieben, Misserfolge eher external und instabil.
  • Soziale Kategorisierung
Personen neigen dazu, sich zu bestimmten Gruppen zugehörig zu fühlen, was auch die Attribution beeinflusst. Deutlich wird dies am Beispiel Geschlecht. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Frauen das Handeln anderer Frauen tendenziell für diese günstiger attribuieren. Die Kategorisierung kann aber auch durch ganz andere Ebenen erfolgen: Gleiche Hobbys, gleiche Herkunft, gemeinsame Werte, gleicher Musikgeschmack etc.

Fazit

Wenn wir die Vorgänge in unserem Gehirn etwas verstehen und uns bewusst machen, können wir auch viel besser damit umgehen. Vorschnelle, oder falsche Attributionen bleiben somit seltener unerkannt. Die Gefahr, dass im Denken des Gruppenleiters ein Zerrbild entsteht ist geringer. Der Grupppenleiter muss aber gerade in pädagogisch schwierigen Situation einen kühlen Kopf bewahren, damit er neutral beurteilen und allen Beteiligten gerecht werden kann. Damit verhindern wir auch so manche "falsche" Reaktion, die auf Grund von fehlerhafter Attribution vielleicht zu Stande gekommen wäre (z.B. unverdiente Strafe).

Weblinks

Es gibt momentan keine Internetseiten oder Bücher, die die Attributionstheorie im Kontext der Pädagogik oder Jugendarbeit behandelt. Allerdings existieren eine Vielzahl von Seiten mit allgemeinen Informationen zu Attribution & Co.

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